Elektromobilität – Förderprogramme im Überblick (10.08.2018)

Der Bedarf an nachhaltigen und multimodalen Mobilitätsangeboten wächst – und E-Mobilität gilt als wesentlicher Faktor für einen klimaneutralen und schadstoffarmen Verkehr. Dazu eines vorweg: Elektromobilität allein wird nicht alle Probleme beseitigen. Verglichen mit konventionell angetriebenen Fahrzeugen weisen Elektrofahrzeuge momentan teilweise sogar noch eine schlechtere Ökobilanz auf.
 
Das liegt vor allem an der Emission von Kohlenstoffdioxid (CO2) bei der Herstellung von Batterien und am regionalen Strom-Mix. Betrug der Anteil regenerativer Stromquellen in Deutschland 2012 noch 23,5 Prozent, so ist dieser laut Umweltbundesamt innerhalb der letzten fünf Jahre auf 36,2 Prozent angestiegen. Diese Entwicklung ermöglicht immer mehr Rechenbeispiele, bei denen Elektrofahrzeuge nach einer Laufzeit von mehreren tausend Kilometern eine bessere Ökobilanz als beispielweise ein Benziner oder Dieselfahrzeuge aufweisen. Bei einem weiter steigenden Anteil von regenerativen Energien ist es daher sinnvoll, Elektromobilität als festen Pfeiler innerhalb einer übergeordneten Klimastrategie einzuplanen.

Was steckt hinter dem Begriff Elektromobilität?

Wir bei TÜV Rheinland verstehen Elektromobilität als ganzheitliches Konzept für klimafreundliche Mobilität. Technisch gesehen gehören hierzu die batterieelektrifizierten Antriebe genauso wie alternative Antriebe basierend auf Wasserstoff und Brennstoffzelle. Auf der Anwenderseite spielt die Elektrifizierung des eigenen Autos genauso eine Rolle wie E-Mobilität in kommunalen Fuhrparks, insbesondere im ÖPNV. Darüber hinaus ist es wichtig, Mobilität für den Kunden als Service zu gestalten (MaaS) und Angebote für Car-Sharing, E-Bikes sowie Park & Ride zu stärken.

Während es im städtischen Raum bereits eine Vielzahl von Angeboten gibt, muss der ländliche Raum im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge gesondert betrachtet werden. Denn gerade hier bietet die Elektromobilität in Verbindung mit intelligenten Lösungen viele Vorteile – sie kann das Mobilitätserlebnis in strukturell schwachen Regionen positiv beeinflussen. Große Potenziale liegen beispielsweise in intermodalen Lösungen für Pendler oder in einer dynamischen Fahrtroutenplanung, die eine bessere Fahrzeugauslastung ermöglicht. Wichtig ist es, bereits bei der Planung infrastrukturelle Herausforderungen wie Siedlungsformen und Einwohnerstrukturen zu beachten und die spezifischen Anforderungen in die Elektrifizierungsstrategie mit einzubeziehen.

Die Zukunft liegt im kommunalen Elektromobilitätskonzept

Wie gelingt es, die jeweils gegebenen Herausforderungen zu bewältigen? Der Schlüssel liegt in ganzheitlichen Elektromobilitätskonzepten, die sich an den lokalen Bedürfnissen der Kommune orientieren. Hierbei muss beachtet werden, welche Besonderheiten eine Kommune aufweist und wie der aktuelle Stand der Elektromobilität und Ladeinfrastruktur ist. Im Einklang mit bereits bestehenden kommunalen Klimaschutzzielen wird ein nachhaltiges Modell für eine elektrische Zukunft entwickelt. Dabei ist ebenfalls entscheidend, dass über alle Phasen hinweg die wichtigsten Interessengruppen mit einbezogen werden.

Wesentliche Bestandteile des E-Mobilitätskonzepts

Bei der Erstellung eines umfassenden E-Mobilitätskonzeptes, das den individuellen Anforderungen gerecht wird, sollten insbesondere die folgenden Aspekte beachtet werden:

  • Erfassung bereits bestehender Infrastrukturen
  • Analyse von Nutzerverhalten und -potenzialen in Verbindung mit örtlichen Verkehrsdaten
  • Erstellung von Detailplänen inkl. der technischen, operativen und kommunal-spezifischen Anforderungen
  • Einhalten von gängigen Standards und Normen zur Vermeidung von Insellösungen
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Förderung der Nutzung von E-Mobilität vor Ort
  • Fokus auf der Elektrifizierung von kommunalen Flotten (insb. ÖPNV) und bedarfsorientierter Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur
  • Einbinden von relevanten Stakeholdern wie kommunalen Unternehmen, Bürgern, Privatwirtschaft

 

Basierend auf diesen Bausteinen lässt sich eine vollumfängliche Analyse bereitstellen – die Grundlage, um E-Mobilität als zentralen Bestandteil einer multimodalen Fortbewegung vor Ort zu etablieren und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Dabei können externe Berater wertvolle Unterstützung leisten. Die Experten von TÜV Rheinland etwa verfügen über langjährige Erfahrung in der Analyse von Infrastrukturnetzen, insbesondere im Rahmen von strategischen Gigabit-Studien und im Bereich der E-Mobilität – dabei unterstützen sie die Kommunen bei der schrittweisen Umsetzung. Die Konzeption erfolgt unter Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen und integriert Maßnahmen für die politische Unterstützung vor Ort.

Bis zu 80 Prozent Förderung

Der Aufwand ist hoch – aber er lohnt sich. Über die „Förderrichtlinie Elektromobilität“ des Bundes kann die Erarbeitung eines solchen Elektromobilitätskonzepts mit bis zu 80 Prozent gefördert werden. Noch bis zum 31. August 2018 können Kommunen entsprechende Förderanträge stellen. Voraussetzung dafür ist, dass die Studien umfassend über die technische Eignung, die Wirtschaftlichkeit und den Umweltnutzen von Maßnahmen zur gesamtsystemischen Integration der Elektromobilität in kommunale oder regionale Nachhaltigkeitsinitiativen bzw. -konzepte informieren.

Darüber hinaus gibt eine Vielzahl von regionalen Förderprogrammen für den Ausbau von Elektromobilität, die wir in der folgenden Grafik aufbereitet haben:

Elektromobilität

Elektromobilität

 

Der Autor

Carlo Kammler beschäftigt sich im Fachbereich Network Consulting & Planning intensiv mit den Themen Elektromobilität und Ladeinfrastruktur. Der studierte Ökonom (M.Sc.) berät hierbei sowohl den öffentlichen Sektor als auch Unternehmen. Seit 2016 ist er bei der TÜV Rheinland Consulting GmbH tätig und betreut Projekte auf nationaler sowie internationaler Ebene – von der intelligenten Stromversorgung bis zur technischen Umsetzungsberatung für ein innovatives Ladesäulenkonzept in der Automobilindustrie.

Quelle: TÜV Rheinland

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